EINBLICK IN DIE GESCHICHTE

Bischöfe von Brixen

Reifenstein wurde von den Bischöfen von Brixen errichtet und wird 1110 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Mauerreste im südlichen Bereich des Burghügels lassen aber annehmen, dass der Bau der ersten Burganlage ins 11. Jahrhundert zu datieren ist. Im 12. Jahrhundert wurde der imposante Bergfried errichtet, der als Wehrturm zur Verteidigung diente und nicht als Wohnturm gedacht war. 

Reifenstein war die mächtige Hauptburg des Bischofs von Brixen im Wipptal. Sie kontrollierte und schützte die wichtige Verkehrsverbindung durch das Tal und war gleichzeitig auch repräsentativer Verwaltungssitz des Bischofs für dessen Besitz in der Region.


Tiroler Landesfürsten

Bereits 1209/10 gelangte Reifenstein in den Besitz Graf Alberts III. von Tirol und wurde landesfürstlich. Im 13. und 14. Jahrhundert erfuhr die Burg maßgebliche bauliche Erweiterungen: der mächtige Wohnturm wurde errichtet, später kamen weitere Bauteile wie die Küche und die umschließende und schützende Ringmauer hinzu.

Reifenstein wurde von den Tiroler Landesfürsten als Lehen vergeben, zuletzt an die Herren von Säben, die mit Oswald von Säben 1465 ausstarben.

Im Bild ist Herzog Sigmund der Münzreiche von Tirol, um 1480/96 zu sehen.


Deutscher Orden

1470 verkaufte der Tiroler Landesfürst Herzog Sigmund von Tirol Burg Reifenstein dem Deutschen Orden, der seinen Tiroler Hauptsitz in Bozen hatte. Der Deutsche Orden, der bereits die Kommende in Sterzing besaß, erhielt somit einen weiteren befestigten Sitz in der Region.

Unter der Leitung des Deutschen Ordens erblühte Reifenstein: Ein neuer Palas, das Kapitelzimmer und der prachtvolle “Grüne Saal” wurden dem alten Bestand hinzugefügt, und die Burg erhielt eine kostbare Innenausstattung im Stil der Tiroler Spätgotik. Um 1580 wurden die letzten baulichen Ergänzungen vorgenommen, die die Wehranlage verstärkten. Eine 150 Meter lange Wehrmauer schützt die Burg nach Süden hin, während im Norden eine mächtige Vorburg gebaut wurde.

Fast dreieinhalb Jahrhunderte blieb Reifenstein im Besitz des Deutschen Ordens. Zur Verwaltung der Burg wurden Pfleger eingesetzt, die meist aus adeligen Familien aus dem Sterzinger Raum stammten. Bauliche Maßnahmen wurden keine mehr umgesetzt. So blieb die mittelalterliche Substanz der Burg erhalten. 


Tiroler Grafen Familie von Thurn und Taxis

Nach der Auflösung des Deutschen Ordens durch Kaiser Napoleon im Jahr 1809 übertrug die bayerische Regierung im Jahr 1813 die Burg Reifenstein an Alexander Graf Thurn und Taxis als Entschädigung für das eingezogene Postregal. Die Grafen Thurn und Taxis zeigten von Anfang an großes Interesse an der historischen Anlage und setzten sich intensiv für deren Erhalt ein.

Im Laufe der Zeit wurden zahlreiche bauliche Instandsetzungen vorgenommen: Die Dächer wurden erneuert, umfassende Sanierungsarbeiten durchgeführt und eine Trinkwasserleitung verlegt. Heute zählt Reifenstein zu den schönsten mittelalterlichen Burgen Südtirols und ist ein lebendiges Zeugnis vergangener Epochen.